1989 bis Gegenwart
Nach dem Fall der Mauer 1989 blieb Prora zunächst weiterhin Sperrgebiet. Mit der deutschen Vereinigung ging die Anlage auf die Bundeswehr über. Noch bis Ende 1991 waren Wehrpflichtige in Prora stationiert. Ende 1992 verließ das Militär Prora. Nach über 40 Jahren Abschottung ist das Gelände seither wieder öffentlich zugänglich. Eigentümer der Prora-Anlage ist die Bundesrepublik Deutschland. Die Verwaltung untersteht dem Bundesfinanzministerium, vor Ort der Oberfinanzdirektion Rostock und dem nachgeordneten Bundesvermögensamt. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.
Von den einst acht Bettenhäusern sind heute noch fünf in nutzbarem Zustand: Drei im Süden ("Block 1" bis "Block 3"), zwei im Norden ("Block 4" und "Block 5"). Spurlos abgetragen ist das einst südlichste Bettenhaus. Im Nordteil beherrschen die Ruinen und Trümmerhügel der beiden gesprengten Bettenhäuser die Landschaft. Gemeinschaftshäuser zwischen den Bettenhäusern sind nur als Ruinen oder Rohbaufragmente vorhanden, und zwar nur im Nordbereich. Das südliche Empfangsgebäude ist teilweise in Nutzung, teilweise im Ruinenzustand. Was einmal Kaffeehaus werden sollte, ist heute Diskothek.
Das nördliche Empfangsgebäude kam über die Rohbauansätze nicht hinaus, wurde Opfer von Sprengversuchen und steht heute als Ruine da.
Noch heute besonders eindrucksvoll sind die Reste der rot verklinkerten Kaianlage. Deutlich ist zu erkennen, daß der Badestrand bis zur Böschung der Promenade doppelt so breit geplant war, wie er heute ist.
Insgesamt gibt es in der Prora-Anlage heute fast 6.500 nutzbare Räume, die auf das Meer hinaus orientiert sind. Obwohl vor allem im Nordbereich erhebliche Vandalismusschäden zu verzeichnen sind, ist die Bausubstanz weitgehend intakt. 1994 wurde die Fernheizleitung aus dem Heizwerk Binz stillgelegt - die Gebäude sind seither weitgehend unbeheizt. Die letzten Einrichtungen der ehemaligen Soldatenstuben wurden 1996 beseitigt. Hier und da gibt es Wasserschäden im Dachbereich - durch einfache Abdichtung zu beseitigen. Der Fassadenputz ist bis auf einzelne Schadstellen noch weitgehend einwandfrei. Die Doppelfenster sind solide, die Strom- und Wasserzufuhr noch weitgehend intakt.
Seit 1992 bemühen sich die Bundesfinanzbehörden um eine Verwertung der Anlage. Das Land Mecklenburg-Vorpommern lehnte ein Übernahmeangebot ab. Alle Versuche, die gigantische Prora-Anlage im Ganzen zu privatisieren, scheiterten. Unter Mietverträgen mit dem Bundesvermögensamt Rostock siedelten sich seit 1994 zahlreiche private Betriebe an, darunter Hotels, Pensionen, Restaurants und kulturelle Einrichtungen: eine "Museumsmeile" aus überwiegend privat und ohne öffentliche Zuschüsse betriebenen Museen, Galerien und Kunstwerkstätten. Die größten Museen am Ort sind heute das "Museum Prora", das "Eisenbahn- und Technikmuseum", die "KulturKunststatt Prora" und das "Grafikmuseum Vogel". Die Museumsmeile Prora ist zum größten ganzjährigen Kulturangebot auf Rügen herangewachsen. Die kulturellen Einrichtungen in Prora arbeiten überwiegend ohne staatliche Fördermittel, sind bedeutende örtliche Arbeit- und Auftraggeber und tragen durch ihren zumeist ganzjährigen Betrieb erheblich zur touristischen Saisonverlängerung auf der Insel Rügen bei.
In eine besondere Rolle wuchs die Prora-Anlage für die international Jugendbewegung. 1993 siedelte sich eine Jugendherberge an und entwickelte sich binnen weniger Jahre zur größten Europas. Nutzungskonzepte für die faszinierende Anlage waren Thema für zahlreiche nationale und internationale studentische Workshops in der Art von Sommeruniversitäten, darunter ein großes, aus den Niederlanden stammendes Projekt "Coast Wise Europe". Ein Förderverein für die Ostseeuniversität in Prora, ein "Campus mare balticum", nahm seine Arbeit auf. Ein "Sunshine Camp Prora" lockte in den Sommern 1999 und 2000 mehrere Tausend Jugendliche aus dem In- und Ausland zu einer mehrwöchigen Musikbegegnung nach Prora. Der Verein "Prora 03" verstand es im Vorfeld eines großen Events auf die Probleme der Jugend in Mecklenburg/ Vorpommern und der damit verbundenen Abwanderung aus dem Land aufmerksam zu machen. Mit großer Politikerbeteiligung wurde das Jugendevent "Prora 03" im August 2003 im Nordbereich von Prora durchgeführt.
Aktuelle Probleme und künftige Entwicklung
Es wäre zu erwarten gewesen, daß die beispielhaften positiven Nutzungsansätze und die Entstehung von Arbeitsplätzen in Prora durch die Behörden gefördert und konsolidiert würden, im Rahmen eines Konzeptes für die ganzheitliche langfristige Entwicklung der Liegenschaft. Tatsächlich vergab die Oberfinanzdirektion Rostock 1996 den Auftrag für eine 1,2 Mio. DM teure Studie über die Zukunft Proras an das Berliner Stadtplanungsunternehmen S.T.E.R.N. GmbH. Diese 1997 veröffentliche Studie ignorierte aber die in Prora organisch gewachsenen Entwicklungen und setzte stattdessen auf den massiven Umbau der Anlage zu Eigentums-Ferienwohnungen und Hotels, unter Ausnutzung von damals noch verfügbaren, inzwischen gestrichenen Steuerspar- und Subventionsmodellen und ohne Beachtung der laufend sinkenden Auslastung der Hotels und Pensionen auf der Insel Rügen. die Kultur- und Jugendeinrichtungen waren in dieser Planung an den Rand gedrängt. Dennoch galt die "S.T.E.R.N.-Studie" seither bei den zuständigen Gebietskörperschaften als verbindliche Richtlinie für die ganzheitliche Entwicklung der Prora-Anlage. Den Verkehrswet der Gesamtanlage bezifferte die Liegenschaftsverwaltung zu dem Zeitpunkt 1997 mit ca. 22 Mio DM.
Die Jugend- und Kultureinrichtungen in Prora, aufgrund der Studie um ihre Zukunft besorgt, stellten 1999 auf Anraten der Liegenschaftsverwaltung Kaufanträge über die von ihnen genutzten Teile der Liegenschaft. Ende 1999 liefen alle Mietverträge mit den Kultur- und Jugendeinrichtungen in Prora aus. Statt einer Verlängerung präsentierte die Liegenschaftsverwaltung neue Mietverträge, mit drastisch verschlechterten Konditionen. Zugleich brach die Liegenschaftsverwaltung die von ihr initiierten Verkaufsverhandlungen mit den Kultur- und Jugendeinrichtungen ab, mit der Begründung, es liefen Verhandlungen über den Verkauf der gesamten Liegenschaft an eine Investorengruppe. Die Jugendherberge Prora mußte Ende 1999 schließen. Die Museen und Galerien blieben vorerst am Ort, sind jedoch durch die stark erhöhten Mietforderungen in ihrer Weiterentwicklung gestoppt und haben durch nunmehr halbjährige Kündigungsfrist jede Planungssicherheit verloren.
So ist die Nutzung Proras für die Jugendbegegnung weitgehend zerstört und die Museumsmeile Prora betandsgefährdet. Ein Jahrzehnt nach der Wende steht die Prora-Anlage größtenteils wieder leer und ist dem Verfall preisgegeben.
Seit 1994 hat sich eine reichhaltige Kultur- und Museumslandschaft im zentralen Bereich der Prora- Anlage etabliert. Die privaten Betreiber und Mieter der Einrichtungen haben sich zu einer Nutzergemeinschaft zusammengeschlossen, mit dem Ziel, einen Teil der Anlage zu erwerben und zu bewirtschaften. Gemeinsam mit Unterstützung des Landkreises Rügen wurde dem Eigentümer der Gebäude ein Kaufangebot im September 2002 unterbreitet. Grundlage ist das Nutzerkonzept der Museumsmeile "Prora Mitte". Diese Bemühungen von Landkreis und Nutzer der Museumsmeile wurden von den verantwortlichen Mitarbeitern des Bundesfinanzministeriums und den Politikern des Haushaltsausschußes des Deutschen Bundestages bei ihren Entscheidungen zu Teilverkäufen nicht berücksichtigt .
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Im Sommer 2003 fand im
nördlichem Bereich von Prora das
Jugendevent "Prora 03"
statt. Junge Leute aus Mecklenburg/Vorpommern und aus Polen gestalteten
dieses Treffen. Der Erfolg könnte Auftakt sein für
eine
mögliche internationale Jugendbegegnungsstätte.
Die Ergebnisse eines zu diesem Event ausgeschriebenen
Architekturwettbewerbes für eine Jugendherberge im Block V wurden
2004 der Öffentlichkeit vorgestellt und sollen künftig
umgesetzt werden.
Prora ist neben dem Nürnberger Parteitagsgelände und der Ordensburg Vogelsang die größte bauliche Hinterlassenschaft der NS-Zeit. Historiker kritisieren den konzeptlosen Stückverkauf der Anlage, weil damit ein Erhalt des Denkmals nicht gesichert werden kann. Selbst aus rein fiskalischer Sicht ist die Eile des stückweisen Verkaufs der Anlage nicht nachvollziehbar: Auf eine Bundestagsanfrage der PDS-Fraktion vom Mai 2000 antwortete die Bundesregierung, daß die Prora-Anlage seit der Wende 25,7 Mio. DM gekostet hat, aber 46,6 Mio. DM Einnahmen gebracht hat. Das heißt: Das Verbleiben der Anlage im Bundeseigentum und die Weiterentwicklung sinnvoller Nutzungen wäre eine rationale Alternative.
Dessen ungeachtet wurden im September 2004 ein 75 ha großes
Teilstück mit den denkmalgeschützten Ruinen im Norden und im
Februar 2005 der Block III mit der Museumsmeile Prora und angrenzenden
25 ha Land an Privat veräussert. Einnahmen aus diesen
Verkäufen für den Bundeshaushalt: ca. 1 Mio Euro (entspricht
ca . 1 Euro pro qm). Konzepte oder Planungen für die Nutzung der
nördlichen Ruinenflächen sind nicht bekannt.
Die Erwerbergesellschaft von Block III, die Inselbogen GmbH, hat
die Absicht mit Ferienwohnungen und Hotels die Kultureinrichtungen zu
verdrängen. Im Juli 2005 wurden durch die
Geschäftsführung der Inselbogen GmbH die erste
Kultureinrichtungen der Museumsmeile zum 01.10.2005 gekündigt.
Weitere Kündigungen erfolgten im Januar 2006 für das Youth
Hostel "One World Camp" und dem Museum "Planet DDR". Die
Zusage der verantwortlichen Bundestagsabgeordneten (siehe Prora-Skandal), dass der
Käufer die Museumsmeile in seiner Gesamtheit zu gewährleisten
hat, ist das scheinbar das Papier nicht wert auf dem es steht.
weitere Infos aus dem Web zum
Thema
Prora
zu Stichworten:
Allgemein: www.calsky.com,
Textquelle: Museum Prora